Wie du schnell & einfach deine Vokabeln organisierst

Wie du schnell & einfach deine Vokabeln organisierst

Dies ist ein Gastbeitrag von Christine von Erfolgreiches Sprachenlernen:

Wie organisierst du Vokabeln aus unterschiedlichen Quellen?

Was ist deiner Meinung nach wichtiger beim Erlernen einer Sprache – Vokabeln oder Grammatik? Wenn du jetzt Grammatik sagst, liegst du meiner Meinung nach falsch. Schaue dir die folgenden beiden Sätze an:

Satz 1: Ich Kino morgen Peter Sohn Tochter Film Familie französisch lustig.

Satz 2: Ich werde mit Peter und seinem … und seiner Tochter ins … gehen, um den … über diese … zu ….

Ausführliche Fassung: Ich werde mit Peter und seinem (wie war gleich das deutsche Wort für „hijo“?) und seiner Tochter ins (das Wort für „cine“ weiß ich nicht im Deutschen) gehen, um den (was heißt „película“?) über diese (wie ist das Adjektiv zu Francia – und wie heißt das Land eigentlich in Deutsch?, und „familia“ in Deutsch – Familia, Famili – wie spricht man das aus?) zu (ver – keine Ahnung, was das in Deutsch heißt).

Siehst du, worauf ich hinauswill?

Den ersten Satz verstehst du sicherlich auch ohne grammatikalische Feinheiten, den zweiten Satz ohne die fehlenden Vokabeln vermutlich nicht. Ich spreche nicht die Wichtigkeit der Grammatik ab, natürlich sollst du diese lernen und das Ziel haben, grammatikalisch zumindest einigermaßen korrekt zu sprechen, aber dennoch denke ich, dass Grammatik nicht alles ist.

Viel viel wichtiger sind nämlich die Vokabeln! Ohne Vokabeln, also ohne die Wörter „Kino“, „morgen“, „Sohn“, „Tochter“, „Film“, „Familie“, „französisch“ und „sehen“, kannst du den obigen Satz überhaupt nicht ausdrücken! Dann ist es letztendlich auch schon egal, ob du weißt, was ein Adjektiv ist, ob du die Possessivbegleiter korrekt bilden kannst oder ob du 23 verschiedene Zeiten und Formen der Verben aus dem Effeff beherrschst.

An diesem Punkt aber fangen viele Lerner an, wahllos Vokabeln von unterschiedlichsten Quellen zusammenzutragen und aufzuschreiben. Dabei stellen sich zwei Fragen:

  1. Woher kommen die Vokabeln?
  2. Wie werden sie aufbereitet, damit du sie jederzeit wiederfindest und auch effektiv (und auch effizient) lernen kannst?

Woher kommen die Vokabeln?

Vokabeln kommen ab einem mittleren Sprachniveau aus unterschiedlichsten Quellen. Anfänger haben diese Probleme seltener, da sie häufig nach einem Lehrbuch lernen, in dem die Vokabeln lektionsweise aufgelistet sind. Aber auch dieses System ist keineswegs ideal zum Lernen und Wiederholen, so dass auch Anfänger sich Tipps aus der Beantwortung der zweiten Frage holen können.

Wenn aber Lerner schon etwas fortgeschrittener sind, dann verwenden sie ja nicht nur ihr Lehrbuch, sondern auch Lektüren, Zeitschriften und Zeitungen, Blogartikel, andere Internetquellen, vielleicht sogar Mails und Briefe von Freunden. Vielleicht aber blättern sie auch einfach im Wörterbuch und schreiben sich interessante Vokabeln heraus. Natürlich können Vokabeln auch aus mündlichen Quellen wie Gesprächen, Radiosendungen oder Fernsehdiskussionen kommen.

Was ist das Problem?

Das Problem beginnt, wenn die Vokabeln an verschiedenen Orten aufgeschrieben werden: Unterwegs nutzt du vielleicht ein Heft, zu Hause gibst du sie in den Computer ein. Vielleicht schreibst du aber auch die Vokabeln einfach in den Text hinein, direkt über die fremdsprachigen Wörter selbst. Oder du schreibst wieder andere Wörter auf Karteikarten. Vielleicht hast du auch einen Notizblock für Zeiten außerhalb deines Sprachkurses.

Was passiert jetzt? Wenn du jetzt nicht blendend organisiert bist, hast du fünf oder sechs verschiedene Orte, in denen deine Vokabeln zu finden sind. Was machst du jetzt damit? Viele Lerner sagen zwar: „Ich müsste meine Vokabeln mal zentral zusammenschreiben“, machen es aber nicht, weil sie das perfekte System für sich selbst noch nicht gefunden haben.

Aber welches System ist perfekt?

Das ist nicht so leicht zu beantworten. Wenn ein System für den Lerner A perfekt ist, muss das noch lange nicht für Lerner B oder C gelten. Überlege dir also folgende Fragen:

  • Lernst du gerne am Computer? Falls ja, solltest du über ein Online-System nachdenken.
  • Bist du oft außer Haus und hast viele „tote Zeiten“ (Wartezeiten usw.)? Falls du diese Frage mit Ja beantworten kannst, ist eine Handy-App das Richtige oder du arbeitest mit Karteikarten, wenn du nicht der Online-Typ bist.
  • Lernst du Vokabeln grundsätzlich nur zu Hause? Dann kommt auch ein Vokabelheft in Frage, das du selbst zu Hause mit Hilfe eines Wörterbuches erstellst. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass Vokabelheft nicht die beste Lösung ist, weil die Vokabeln weder aus- noch umsortiert werden können und immer in der gleichen Reihenfolge auftauchen. Wenn du zu Hause und gleichzeitig gerne am Computer lernst, ist ein Online-Vokabeltrainer sicher die beste Lösung. Wenn du gerne mit den Händen arbeitest, kannst du auch ein Karteikartensystem nutzen.

Die Antwort lautet also: Das System ist dann perfekt, wenn es genau deinen persönlichen Ansprüchen genügt!

Absolut notwendig ist es allerdings meiner Meinung nach, sich nur auf ein System zu beschränken. Es macht keinen Sinn, drei verschiedene Systeme gleichzeitig zu benutzen, denn du verzettelst dich nur, machst dir die doppelte und dreifache Arbeit (bedenke, dass die Vokabeln ja auch erst einmal erfasst werden müssen!) und kommst nicht vorwärts.

Daher mein Vorschlag:

Nutze für unterwegs ein Notizbuch, dein Handy oder ein Vokabelheft, um für dich wichtige Vokabeln zu notieren. Das kann durchaus ungeordnet geschehen, denn hier geht es noch nicht um das Lernen, sondern nur um das „Nicht-Vergessen“. Sobald du dann zu Hause bist und Zugang zu deinem bevorzugten Lernsystem hast, machst du Folgendes:

1) Computerlerner geben die Vokabeln in ihren Vokabeltrainer ein. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, beispielsweise Babbel, Memrise, PONS, Lingostudy oder Phase-6. Jedes Programm hat natürlich Vor- und auch Nachteile – manche sind kostenfrei, manche kostenpflichtig, manche brauchen eine Internetverbindung, andere laufen auch ohne Internetverbindung. Auch die Optik der Seite spielt eine Rolle – wenn sie dir nicht gefällt, suche dir einen anderen Anbieter aus. Und: Es gibt viele Programme, die gleichzeitig auch als App auf dem Smartphone verfügbar sind, damit kannst du sowohl zu Hause als auch unterwegs wunderbar lernen – automatische Synchronisation inklusive!

2) Wenn du lieber ohne Computer oder Smartphone lernen willst, empfehle ich dir die Kombination Vokabelheft (zum Stöbern) und Karteikarten. Auf diese Karteikarten kannst du entweder einzelne Vokabeln, ganze Ausdrücke und Sätze oder auch ganze Themengebiete schreiben. Packe sie in einen Kasten mit 5 Fächern und sortiere sie den jeweiligen Fächern zu: gewusst – ein Fach nach hinten, nicht gewusst – immer ins erste Fach! Wenn du unterwegs lernen möchtest, nimmst du dir einfach einige Karten mit.

Eine Sonderform des Lernens gibt es noch: Du kannst auch Mind Maps zeichnen, sowohl per Hand als auch am Computer. Falls du nicht weißt, was Mind Maps sind, empfehle ich dir den Artikel „Mind Maps – so kommt Kreativität in dein Lernen“ auf meinem Blog.

Welches System du letztendlich wählst, ist dir selbst überlassen. Die perfekte Methode findest du nur durch Ausprobieren heraus.

Und ganz wichtig: Wende die neuen Vokabeln (und die alten ebenso!) immer wieder an. So bleiben sie am ehesten im Gedächtnis. Die Anwendung der Vokabeln schlägt jedes noch so ausgeklügelte Vokabellernsystem.

Was du jetzt tun solltest:

Probiere verschiedene Systeme aus. Verwerfe wieder, was dir nicht gefällt. Bleibe bei dem, mit dem du gut zurechtkommst. Ganz wichtig: Wenn deine Testphase vorbei ist, bleibe bei deinem System! Und nutze immer nur ein System, nicht drei zur gleichen Zeit.

Dann bleibt mir nur noch, dir viel Spaß und Erfolg beim Lernen zu wünschen.

Wenn du weitere Tipps brauchst, dann schaue auch einmal auf meinem Blog Erfolgreiches Sprachenlernen vorbei. Ich freue mich auf dich!

Herzliche Grüße

Christine

Wer steckt hinter dem Gastartikel?

MamaIch bin Christine Konstantinidis und ich arbeite als freiberufliche Sprachlehrerin für Italienisch. Außerdem schreibe ich den Blog Erfolgreiches Sprachenlernen und habe dieses Jahr ein Buch mit dem Titel „Sprachen lernen – Tolle Tipps und Tricks“ veröffentlicht. Außerdem betreue ich den Blog und die Facebookseite der Firma CourseFinders zusammen mit meiner Tochter. Sprachen lernen mit allen Sinnen mit bestmöglicher Integrierung in den Alltag und mit viel Spaß ist mein Motto, und ich merke immer wieder, dass sich meine Begeisterung auf meine Schüler, Kursteilnehmer und Leser überträgt.

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