Mit dem Hobby Geld verdienen: Wie du als freiberuflicher Übersetzer arbeitest

Mit dem Hobby Geld verdienen: Wie du als freiberuflicher Übersetzer arbeitest

Simon von Freelance Junior zeigt dir, wie du deine Sprachkenntnisse nutzen kannst, um Geld zu verdienen:

Neue Sprachen zu lernen ist spannend: Sei es, um die hübsche italienische Servicekraft deiner Stammbar zu beeindrucken, um den Fremdsprachen-Prof mit dem interessanten beruflichen Netzwerk auf dich aufmerksam zu machen oder um in Marokko eine Shisha auf Arabisch zu bestellen. Sprichst du eine Sprache aber irgendwann auf einem fortgeschrittenen Niveau, ist es vielleicht an der Zeit, dank der neugewonnenen Fähigkeiten eine neue Einnahmequelle zu erschließen – so kannst du dir etwa den nächsten Urlaub finanzieren.

Grundsätzlich kannst du beispielsweise schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt Texte, die in einer anderen Sprache verfasst wurden, ins Deutsche übersetzen. Das trainiert dein Verständnis der Fremdsprache: Du lernst die kleinen Unterschiede zwischen vermeintlichen Synonymen kennen, indem du fremdsprachige Sätze und deren Zusammenhang auf Herz und Nieren prüfst. Außerdem erhältst du ein besseres Gefühl für den Satzbau und die Feinheiten der Fremdsprache.

Sprichst du eine Fremdsprache irgendwann fließend, hast du auch die Möglichkeit, zu dolmetschen. Je nachdem, in welcher Branche du arbeiten möchtest, musst du dir möglicherweise einige Fachbegriffe aneignen. Gleichzeitig kannst du aber auch Texte vom Deutschen in die jeweilige Fremdsprache übersetzen.

Das geht alles nebenberuflich, neben dem Job, der Ausbildung oder Deinem Studium. Du musst zu Anfang nicht mal Umsatzsteuer zahlen. Alles, was du tun musst, ist eine freiberufliche Tätigkeit anzumelden –  keine Kosten, kein Risiko. Lediglich die Abgabe der jährlichen Einnahmenüberschussrechnung im Rahmen der Steuererklärung kommt verpflichtend auf dich zu, bis du die Ausübung deiner freiberuflichen Tätigkeit wieder abmeldest.

„Naja. Wahrscheinlich muss ich ewig nach Auftraggebern suchen, bevor ich wirklich Aufträge bearbeiten kann.“

Möglicherweise wirst du etwas Zeit investieren müssen, um einen Auftrag zu erhalten – aber: Hast du erstmal die Zusage für den ersten Auftrag und leistest gute Arbeit, ergibt sich daraus in der Regel eine langfristige Kooperation. Deine Auftraggeber haben auch ein Interesse daran, talentierte Übersetzer zu halten, um nicht für jeden Auftrag aufs Neue nach einem passenden Freiberufler suchen zu müssen.

Nachfolgend habe ich dir – sortiert nach deinen Fremdsprachen-Skills – einige Jobbörsen aufgelistet, auf denen du deine ersten Aufträge finden kannst:

1) Los geht’s – Die ersten Aufträge als Freiberufler

Für deine ersten Übersetzer-Jobs von und in eine Fremdsprache bietet sich die Texterjobbörse an. Hier sollen in der Regel Web-Artikel oder E-Books übersetzt werden. Die Auftraggeber legen meist nicht viel Wert auf eine fehlerfreie Übersetzung – das liegt daran, dass mit den Übersetzungen in der Regel Click-Baits über die Google-Suche erzielt werden sollen. Dementsprechend wurde der Wortpreis hier in den letzten Jahren extrem heruntergehandelt. Macht aber nichts: Auf der Texterjobbörse kannst du lernen und erste Referenzen sammeln, mit denen du dich dann auf besser bezahlte Aufträge bewirbst.

Die Texterjobbörse besitzt übrigens einen RSS-Feed. Installierst Du einen RSS-Reader (beispielsweise als Add-on für deinen Browser), kannst du dich automatisch über neu eingestellte Aufträge informieren lassen.

Möchtest du nur Texte in einer fremden Sprache verfassen, solltest du dich über Services wie Textbroker.com informieren. Die Wortpreise sind hier sogar noch niedriger als auf der Texterjobbörse – dementsprechend wenig Mühe geben sich die Muttersprachler in den niedrigen Qualitätskategorien. Deine Chance: Geht es dir in erster Linie um den Lerneffekt, kannst du aus dem Feedback der muttersprachlichen Mitarbeiter von Textbroker bei den Korrekturschleifen zu deinen Texten profitieren. Du wirst von den Mitarbeitern in einem 5-Sterne-System bewertet, in welchem du aufsteigen kannst. Das gibt dir Aufschluss über deinen Lernfortschritt.

2) Das ist mir zu lasch. Ich kann schon mehr!

Bist du Student, lohnt sich ein Besuch auf die Jobbörse Freelance Junior. Das ist ein Projekt, an dem ich mit vier weiteren freiberuflichen Studenten arbeite. Neben Tätigkeiten wie dem Programmieren, dem Designen von Logos und Flyern und dem Schreiben deutschsprachiger Texte werden hier oft auch Jobs wie das Übersetzen fremdsprachiger Texte ausgeschrieben. Die Auftraggeber beauftragen bewusst Studenten und erhoffen sich aus der Zusammenarbeit teils die Erschließung neuer Talente. Du kannst hier also dein berufliches Netzwerk ausbauen.

Bild für Email (klein)

3) Ich spreche fünf Fremdsprachen fließend. Wo gibt es Aufträge für Fachkräfte?

Kannst du schon einige Referenzen aufweisen und übersetzt auf einem professionellen Niveau, kannst du dich langsam auf Freelancer-Plattformen wie freelance.de anmelden. Hier konkurrierst du mit Übersetzern, die meist über langjährige Berufserfahrung verfügen.

Auch ein Blick auf die Stellenbörse des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. lohnt sich. Hier werden teils kurzfristige Stellen ausgeschrieben, oft von Konzernen und öffentlichen Einrichtungen.

Was muss ich tun, damit ich oben genannte Aufträge annehmen darf?

Die Tätigkeit eines Übersetzers oder Dolmetschers kann als Freiberufler ausgeführt werden. Nimmst du eine freiberufliche Tätigkeit auf, hast du vier Wochen Zeit, um deine freiberufliche Tätigkeit beim Finanzamt anzumelden. Im Gegensatz zu Tätigkeiten, für die ein Gewerbe angemeldet werden muss, profitierst du von dem Wegfall von Gewerbesteuer und IHK-Beitrag.
De facto musst du nur Umsatzsteuer (und natürlich die Einkommensteuer) zahlen. Als Übersetzer schreibst du in der Regel den Umsatzsteuer-Regelsatz von 19 Prozent aus. Aber: Du kannst nach § 19 Abs. 1 Satz 4 UStG auf die Kleinunternehmerregelung zurückgreifen, solange dein Umsatz im aktuellen Jahr 17.500 Euro und im folgenden Jahr 50.000 Euro nicht übersteigt. In diesem Falle musst du deinen Auftraggebern nicht mal Umsatzsteuer ausstellen. Verdienst du jährlich weniger als 8.652 Euro (Stand: 2016, hierzu zählen unter anderem auch Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit!), fällt übrigens auch die Einkommensteuer weg. Tadaa – als Studierender zahlst du also in der Regel gar keine Steuern. Und das ohne dubiose Firmengründungen in Offshore-Staaten!

Um dich als Freiberufler zu melden, musst du den “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” beim Finanzamt einreichen. Entweder kannst du diesen vor Ort ausfüllen oder im Internet ausdrucken und dem für dich zuständigen Finanzamt per Post schicken. Wir haben übrigens eine Ausfüllhilfe für den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung verfasst. Keine Angst, so schlimm ist es gar nicht!

In der Regel dauert es drei bis vier Wochen, bis das Finanzamt nach Erhalt des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung die Steuernummer versendet. Diese benötigst du, um Rechnungen auszustellen und die Einnahmen-Überschuss-Rechnung im Rahmen des Jahresabschlusses beim Finanzamt einzureichen.

Nimmst du eine freiberufliche Tätigkeit auf, solltest du dich weiterführend zu folgenden Themen informieren:

  • Scheinselbstständigkeit: Diese liegt grundsätzlich immer dann vor, wenn du zwar vertraglich als selbstständig bezeichnet wirst, praktisch aber wie ein Arbeitnehmer in einem Beschäftigungsverhältnis stehst. Solange du wechselnde Auftraggeber hast, musst du dir in der Regel keine Sorgen um die Ausübung einer Scheinselbstständigkeit machen. Dennoch solltest du dich zu diesem Thema informieren.
  • Angebote und Rechnungen erstellen: Du solltest dich informieren, welche Angaben in rechtsgültigen Angeboten und Rechnungen fallen müssen. Vorlagen für Angebote und Rechnungen gibt es zuhauf im Internet, diese kannst du mit Word bearbeiten.
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Jeder Freiberufler ist im Rahmen der Steuererklärung verpflichtet, das Finanzamt bis zum 31. Mai über die Geschäftstätigkeit aus dem Vorjahr zu informieren. Die Frist kann ohne steuerliche Beratung bis zum 30. September verlängert werden. Liegt dein Umsatz aus dem Vorjahr unter 17.500 Euro, kannst du übrigens auf die Einreichung einer formlosen Einnahmenüberschussrechnung zurückgreifen.
  • Urheberrechte: Wann übertrage ich dem Auftraggeber die exklusiven Urheberrechte an einem selbstgeschriebenen Text und wann nicht? Haben Übersetzungen Recht auf Urheberrecht? Gerade, wenn du später größere Aufträge erhalten solltest – beispielsweise ein Buch übersetzt –, solltest du dich auch zu Lizenzgebühren informieren.
  • Umsatzsteuer und Umsatzsteueridentifikationsnummer: Solange du Kleinunternehmer bist und keine Umsatzsteuer abführst, benötigst du auch keine Umsatzsteueridentifikationsnummer, um für ausländische Auftraggeber tätig zu sein. Sobald du aber Umsatzsteuer abführen musst, gehört diese gemeinsam mit der Umsatzsteueridentifikationsnummer des Auftraggebers auf jede Rechnung. Du solltest dich darüber informieren, in welchen Fällen die Umsatzsteuer im Land des Auftraggebers und wann die Umsatzsteuer in Deutschland abgeführt werden muss.

Studenten und Auszubildende sollten sich vor Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit darüber hinaus zu den Freibeträgen ihrer Krankenkasse (hier gibt es Unterschiede zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen) und zum BAföG informieren (hier steht für dich möglicherweise eine Rückzahlung bei Übersteigen des Freibetrags an).

Recherchierst du Freibeträge und Daten, die relevant für die Ausübung einer freiberuflichen Tätigkeit sind, solltest du alle dir präsentierten Daten auf ihre Aktualität prüfen – vor allem bei der Informationsbeschaffung über das Internet. Der Freibetrag der Einkommensteuer hat sich zuletzt beispielsweise jährlich geändert, der Freibetrag für das BAföG wurde in diesem Monat erhöht. Du kannst dir Informationen auch über die Service-Angebote der zuständigen Behörden und der Krankenkasse bestätigen lassen.

Hast du eine Frage zu diesem Thema? Schreib einfach einen Kommentar!

Wer steckt hinter dem Gastartikel?

Autorenfoto_Simon_SchuetzeSimon Schütze studiert “Sprache & Kommunikation” in Marburg. Neben seinem Studium arbeitet er mit vier weiteren freiberuflich arbeitenden Studenten an der Auftragsbörse für Studierende Freelance Junior. Mit ihrem Projekt wollen sie das freiberufliche Arbeiten für Studierende als Alternative zu Praktika und Nebenjobs etablieren.

©Titelbild: Pixabay.com (bearbeitet)

Schreibe einen Kommentar

Folge mir auf Facebook!schliessen
oeffnen